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"Rund ums Motoröl"

 
Ursprüngliche Nachricht
 
"Rund ums Motoröl"
Posted by Alexander Brandner on May-23-00 at 07:36 AM (MEZ)
Öl und Motorrad

1. Ölverbrauch:

Bei einem neuen (oder auch neu erworbenen, gebrauchten) Motorrad sollte man den Ölstand anfangs in kurzen Intervallen messen -- beispielsweise nach jeweils 500 km, bei jedem zweiten Mal Tanken etc. -- um den Ölverbrauch des neuen Lieblings kennen zu lernen.
Der Verbrauch steigt mit der Größe der Zylinder an, so kann beisielsweise bei der XTZ 660 auch ein Verbrauch von 0.6 l/1000km noch normal sein.
ACHTUNG: Bei langen und schnellen Fahrten kann der Verbrauch aber durchaus höher ausfallen, als man es beim gemütlichen Bummeln gewohnt ist.

2. Ölstand messen:

Wie und wo der Ölstand abzulesen ist, steht in der Betriebsanleitung des Fahrzeuges. SOllte diese nicht mehr aufzufinden sein, kann folgendes als Faustregel gelten:
Das Motorrad sollte auf einer ebenen Fläche senkrecht stehen (Mittelständer ist dazu eher ungeeignet, also selbst halten).
Als Messinstrument steht entweder ein Peilstab zur Verfügung, der meist in den Deckel der Öffnung zum Ölnachfüllen integriert ist, oder ein Schauglas, das meist rechts (aber auch links) im unteren Drittel des Motorblockes zu finden ist. In beiden Fällen ist eine Min- und eine Max-Markierung zu finden, zwischen denen sich der Ölstand bewegen sollte. Fehlt Öl, so ist es bei der Öffnung, die sich meist unmittelbar über dem Schauglas, auf der Oberseite des Motorblocks befindet nachzufüllen. Wieviel Öl reicht um den Unterschied zwischen Min- und Max-Markierung auszugleichen muss man selbst ausprobieren. Einfach einmal einen viertel Liter nachfüllen und nochmals messen. Dem Öl aber Zeit lassen, bis es in den "Vorratsbehälter" abgelaufen ist.
ACHTUNG: Bei Enduros ist der Öltank in den Rahmen integriert und der Peilstab i.A. vor dem Tank zu finden!!

3. Was passiert bei zu viel / zu wenig Öl?

Hat man zu wenig Öl im Motorrad, so kann es passieren, dass der Schmierfilm auf Kolben oder Zylinderwand abreisst --> Motorschaden. Das kann von verringerter Kompression über den sogenannten 'Anreiber' bis zum Stecken des Kolbens alles sein.

Zu viel Öl ist nicht ganz so gefährlich. Dennoch:
Bei Druckumlaufschmierungen kann es durch Eintauchen der Kurbelwelle in das Öl zum Aufschäumen des Öls kommen. Dadurch kann Luft in die Ölleitung nzw. -pumpe kommen und damit die Schmierung unterbrochen werden oder sogar ganz aussetzen, was dann wieder zum Motorschaden führen kann.
Bei der Trockensumpfschmierung wird das ganze Öl aus dem Sumpf (=Ölwanne) in einen Tank gepumpt, weshalb das Aufschäumen praktisch kein Thema ist. Hier kommt es aber dazu, dass Öl über die Motorentlüftung in den Luftfilterkasten gelangt. Bei KTMs, die sinnvollerweise einen Abfluss im Lufikasten haben kann so Öl beispielsweise zu einer guten Schmierung des Hinterrades beitragen :-(

Welches Öl fülle ich nach? - Solange man kein vollsytetisches Öl verwendet, sollte es angeblich egal sein welches Öl man nachfüllt. Ein Öl mit gleicher Viskosität (SAE-Nummer) ist aber sicher nicht die falsche Entscheidung.

4. Ölwechselintervalle:

Öl verliert im Laufe seines Lebens die Schmiereigenschaften nicht. Dennoch kann es durch versäumte Ölwechsel zu Problemen kommen. Besonders die Additive in den modernen Ölen können mit der Zeit ihre Wirkung verlieren. Außerdem kann sich Ölkohle bilden, die Kolbenringe verkleben dann. Zudem sammelt sich mit der Zeit der Abrieb des Motors im Öl und kann so zum Verschlammen von Motor, Ölfilter und Ölpumpe führen.

5. Der Ölwechsel:

Beim Ölwechsel sollte man sich an die vom Hersteller vorgegebenen Intervalle halten, ein Tausender mehr bei der Laufleistung sollte aber kein Problem sein, da die Vorgaben grosse Sicherheitsreserven, besonders bei ruhiger Fahrweise, enthalten.
Bei jedem Ölwechsel ist auch der Filter mitzuwechseln, da im frischen Öl Stoffe enthalten sind, die den Dreck aus dem Filter lösen können und damit den Filter ad absurdum führen.
Der Wechsel sollte bei warmem, wenn nicht gerade heissem Motor erfolgen, da somit nocht kleinste Verunreinigungen im Öl in Schwebe sind und mit dem nierviskosen Öl aus dem Motor ausgetragen werden. Bei kaltem Motor ist das Öl zäher und viele Verunreinigungen sind sedimentiert und bleiben somit im Motor.
Wieviel Öl bei einem Ölwechsel mit und ohne Filterwechsel nachgefüllt werden muss, steht in der Betriebsanleitung des Fahrzeuges. Hier kann man schwerlich einen Richtwert angeben, da sich die Mengen zwischen 2 Litern (kleinere Motoren) und fast 5 Litern (zb. XTZ 660 4.5 Liter) bewegen. Auf keinen Fall sollte man die gesamte Menge auf einmal einfüllen, sondern ca. drei Viertel, dann den Motor kurz starten (das kann auch zur Entlüftung des Ölfilters notwendig sein, wenn dieser nicht in einer eigenen Kartusche ist) etwas abwarten, Ölstand messen und weiter einfüllen bis zur Max-Markierung.

6. Tuning am Ölkreislauf:

Sowohl Öl- als auch Motorenherstellen lehnen Additive zu Ölen (außer den beim Kauf enthaltenen) ab. Die modernen Öle sind bereits so weit optimiert, dass weiter Additive mehr Schaden als Nutzen bringen können.
Auch Nebenstromfiltersystems mit sehr feinen Filtern tragen kaum dazu bei, die Ölwechselintervalle zu verlängern. Sie stellen wohl eher eine weitere Schwachstelle im Ölkreislauf dar.

7. Weiter Infos im WWW:

http://www.geocities.com/MotorCity/2195/engineoil_bible.html
http://www.motorradonline.de/MRD/lex/dat1_index.asp?ID=135&NR=0&R=dn&Q=0
http://tempest.ece.uiuc.edu/~cburian/mc/oil/

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